„Sie war ganz schlimm schön…“ – Lesbische Portraits
Die Ausstellung
Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Landeshauptstadt München hat in Zusammenarbeit mit zwei Münchner Künstlerinnen eine Ausstellung aufgebaut, die einen Blick auf eine oftmals wenig sichtbare gesellschaftliche Gruppe wirft.
„Sie war ganz schlimm schön …“ In der Ausstellung mit diesem sehr persönlichen Titel geht es um Lesben, um das „ganz schlimm Schöne“ und um all das Andere, was ein lesbisches Leben ausmacht. Zehn persönliche Biografien zeigen: Lesben leben in München und sie leben ganz unterschiedlich. Berührend und interessant werden lesbische Lebenswege erzählt.
Die Ausstellung hat den Anspruch, lesbisches Leben in seiner Vielfalt zu zeigen.
Neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die lesbische Lebenslagen grundsätzlich prägen, gibt es viele individuelle Komponenten. Die Portraits stellen ganz verschiedene Hintergründe dar. Nicht nur in Alter, in Berufen, in Interessen und in ihren Lebensumständen unterscheiden sich die porträtierten Lesben; auch in ihren Ideen und individuellen Biografien wird deutlich, dass ein lesbisches Leben nicht einem bestimmten stereotypen Schema
entspricht.
Die Ausstellung zeigt lesbisches Leben exemplarisch. Sie soll anregen, sich einzulassen auf zehn persönliche Geschichten, die auch typische Aspekte einer lesbischen Biografie aufweisen. Und sie soll anregen zum Weiterdenken.
Ganz bewusst werden keine Lebensläufe anhand biografischer Daten nacherzählt, sondern Geschichten aus dem Leben der Lesben. So soll die Ausstellung auch etwas Visionäres haben. In der künstlerischen Umsetzung werden Einblicke in das Leben der Einzelnen per Bild und Text gewährt. Die Bildtafeln bestehen aus einem Porträtfoto und einem Foto einer Szene aus dem Leben der Frau. Auf den Texttafeln erzählen die Frauen aus ihrem Leben und es erschließt sich ein ganzheitliches Bild ihrer jeweiligen Geschichte.
Hintergründe
Mit dieser Ausstellung soll lesbisches Leben sichtbarer gemacht werden. Dies wäre der Koordinierungsstelle nicht möglich, gäbe es da nicht zehn Münchner Lesben, die sich bereit erklärt haben, ihre Geschichten und ihre Gesichter öffentlich zu zeigen.
Es sagt sich leicht, Lesben sollten sich zeigen. In der Realität bedeutet dies, dass sich die Frauen mit den Folgen eines solchen Coming Outs auseinander setzen müssen. Das können neben sicher vielen positiven Reaktionen auch negative sein. Diskriminierung, verbale Angriffe oder Schlimmeres kennen viele Lesben.
Immer wieder hat die Koordinierungsstelle die mangelnde Sichtbarkeit von Lesben und den damit verbundenen speziellen Handlungsbedarf wahrgenommen und diesen in ihrem Arbeitsschwerpunkt „Lesbisches Leben in München“ aufgegriffen. Der Beschluss des Münchner Stadtrats im November 2009 , die Sichtbarkeit und die gesellschaftliche Teilhabe von lesbischen Frauen zu verbessern, ist dabei eine wichtige Unterstützung.
Immer schon wurden Lesben durch Ignorieren und Verschweigen in die Unsichtbarkeit gedrängt. Dass lesbisches Leben wenig öffentlich dargestellt wird und auch die Lebenslagen lesbischer Frauen oftmals nicht berücksichtigt werden, trägt zu deren vermeintlicher Nichtexistenz bei.
Dem wird mit dieser Ausstellung etwas entgegen gesetzt.
Der Ausstellungsort
Es ist besonders erfreulich, dass die Erstpräsentation dieser Ausstellung im Münchner Stadtmuseum stattfinden kann. Sie ist dadurch an einem der zentralsten kulturellen Orte Münchens und mitten im Zentrum der Stadt zu sehen. Dadurch wird es möglich, einer breiten Öffentlichkeit lesbisches Leben zu zeigen und näher zu bringen und zu einer besseren
Wahrnehmung von Lesben beizutragen.
Die Künstlerinnen
Die beiden Münchner Künstlerinnen Barbara Stenzel (Fotografie) und Stephanie Gerlach (Text) sind nicht nur in der lesbisch-schwulen Gemeinde bekannt. Sie traten bereits bei verschiedenen Projekten durch die hohe Qualität ihrer Arbeit hervor.
Um solche Portraits zu schaffen, ist neben hohem künstlerischen Können ein guter Kontakt und viel Vertrauen zwischen Künstlerinnen und porträtierten Frauen nötig. Die Werke sind geprägt von einem hohen Maß an Wertschätzung und an Sensibilität, die Portraits sind persönlich und berührend geworden.
Barbara Stenzel, Fotografie
Studium Anglistik, Germanistik, Geschichte in Heidelberg und Madison, Wisconsin, USA Fotografiestudium bei Cavalliere Ketchum an der University of Wisconsin, USA Studium an der Staatlichen Fachakademie für Fotodesign in München lebt und arbeitet als Lektorin und Fotografin in München
www.barbarastenzel.de
Stephanie Gerlach, Text
Ausbildung als Übersetzerin, Sprachen- und Dolmetscher-Institut, München Studium der Sozialen Arbeit, Katholische Stiftungsfachhochschule, München Fulbright-Stipendium, San Francisco State University, USA Aufbaustudium Erwachsenenpädagogik, Hochschule für Philosophie, München Lebt und arbeitet als Fortbildungsreferentin und Autorin in München.
www.stephaniegerlach.de
Schirmherrschaft: Bürgermeisterin Christine Strobl
Veranstalterin: Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der
Landeshauptstadt München
Künstlerinnen:
Fotografie: Barbara Stenzel
Text: Stephanie Gerlach
Zeit: 07.07. – 28.07.2011 (nicht 14.
Ort: Münchner Stadtmuseum, Foyer, St. Jakobs-Platz 1
Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen
Die 2002 gegründete Stelle wurde auf Beschluss des Münchner Stadtrats eingerichtet. Ihr Auftrag ist es, Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeit für Lesben, Schwule und Transgender zu leisten.
Die Koordinierungsstelle setzt diesen Auftrag um, indem sie fachpolitische Unterstützung für Stadtspitze, Stadtrat und Stadtverwaltung leistet, die Gemeinde der Lesben, Schwulen und Transgender in München unterstützt, durch Öffentlichkeitsarbeit Akzeptanzförderung betreibt und weitere Serviceangebote vorhält.
Internet: www.muenchen.de/koordinierungsstelle
E-Mail: kgl.dir@muenchen.de